Vimānavatthu
Wege zum Himmel
81. (VII, 7): Kanthaka
Moggallāna:
So wie zur Vollmondszeit der Mond
mit seinem Has’, der Sterne Herr,
umgeben von der Sterne Schar,
durchwandert alles ringsumher,so überstrahlet ebenso
ja deiner Himmelswohnung Pracht
an Schönheit gar die Götterstadt,
gleichwie wenn auf die Sonne geht.Es wechselt Gold ab mit Beryll,
und Silber wechselt mit Kristall,
mit Katzenaugen da besetzt,
mit Perlen und Rubinen noch.Ein solcher Platz erfreut den Geist,
und ausgestattet mit Beryll,
mit Giebelhäusern lieblich schön,
so dein Palast ist gut geplant.Die Lotosteiche dich erfreu’n,
wo tummeln sich die Goldfische,
das Wasser kühl und völlig klar,
am Rand mit gold’nem Sand bestreut.Von Lotossen vielfach bedeckt,
von roten, weißen übersät,
gar lieblich strömend Düfte aus
und herrlich sanft vom Wind bewegt.Auf beiden Seiten man erblickt
die dichten Wälder, wohl geplant,
wo Bäume hier in Blüten steh’n
und and’re tragen Früchte da.Auf Couch, die gold’ne Füße hat,
mit weichem woll’nem Fell bedeckt,
da sitzen gleich dem Götterfürst
die Nymphen, um zu dienen dir.Mit allem ihrem Schmuck verseh’n,
mit Kränzen wunderschön bekränzt
erfreu’n sie dich, der groß an Macht,
und du bist froh wie Götterfürst.Mit Kesseltrommel, Muschelhorn,
mit Laute, Trommel, Tamburin
erfreust du dich in voller Lust
an Tanz, Gesang und an Musik.Gestalten himmlisch, mannigfach,
und Töne und Geschmäcke auch
und Düfte, Tastung ebenso
sind für dich da, erfreu’n den Geist.In dem Vimāna wunderbar
als Göttersohn von großem Glanz,
da überstrahlst an Schönheit du
sogar den Sonnenaufgang noch.Ist dies die Frucht des Gebens nun?
Ist es von Tugenden die Frucht?
Ist es vom Handgruß dir erwirkt?
So frage ich, sag es mir an.Sprecher:
Der Göttersohn im Geist beglückt,
als Moggallāna ihn befragt,
erklärt auf seine Frage ihm,
welch Wirken diese Frucht erzeugt.Göttersohn:
Kapilavatthu heißt die Stadt,
der Sakyer Hauptstadt, wo ich ward
als Kanthaka gebor’n zugleich
mit einem Sohn Suddhodanas.Als er zur Zeit der Mitternacht
fortzog um der Erwachung will’n,
mit seinen sanften Händen mich
netzartig, Nägel kupferfarb’,er streichelte die Flanken mir:
„Trag mich davon, mein lieber Freund,
wenn ich Erwachung, höchste, fand,
die Welt wird kreuzen auch den Strom.“Nachdem die Stimme ich gehört,
hab aufgewiehert ich da laut,
im Herz erhoben, frohen Sinn’s,
mein Lachen, das war mächtig groß.Als ich gemerkt, dass aufstieg dann
der Sakyersohn, der groß an Ruhm,
im Herz erhoben, hocherfreut
trug ich davon den besten Mann.Nachdem ins Ausland wir gelangt
und eben auf die Sonne ging,
zog unbeirrt er weiter dann,
ließ mich und Channa da zurück.Die kupfern Nägel an den Zeh’n,
die leckt ich mit der Zunge ihm.
Als weiterzog der große Held,
hab ich ihm weinend nachgeblickt.Als ich ihn nicht mehr sehen konnt’,
den Sakyersohn, des Glückes Kind,
von einem starken Schmerz bedrängt
fiel auf der Stelle tot ich um.Durch dieses habe ich erlangt,
in dem Vimāna hier zu woh’n.
Erfüllt sind alle Wünsche mir,
bin wie in Himmels Götterstadt.Und seit ich habe da gelacht,
als ich von der Erwachung hört,
dieselbe heilsam Wurzel wird
zur Triebversiegung führen mich.Wenn du, o Herr, nun gehen wirst,
den Meister, Buddha, da zu sehn,
berichten mög’st du auch von mir,
ich neige mich zu Füßen ihm.Ich selber will auch zu ihm geh’n,
zum Sieger, dem da keiner gleicht.
Gar selten, wahrlich, sieht man wohl
den, der der Welt verleihet Schutz.Sprecher:
Dankbar, empfindend was getan,
begab er sich zum Meister hin.
Als er den Sehenden gehört,
der Lehre Auge ging ihm auf.Geläutert von dem Ansichtszwang,
von Zweifel und von Tugendwerk,
zu Füßen grüßt den Meister er,
und dann war er verschwunden da.