Aṅguttara Nikāya
Das Vierer-Buch
159. Die Heilung der Liebeskranken
So habe ich gehört. Einst weilte der ehrwürdige Ānanda im Ghosita-Kloster bei Kosambi. Da nun gab eine der Nonnen einem gewissen Manne den Auftrag: „Geh, lieber Mann, begib dich zum ehrwürdigen Ānanda, verneige dich in meinem Namen ehrfurchtsvoll zu Füßen des ehrwürdigen Ānanda und sprich: ‚Eine Nonne mit dem und dem Namen, o Herr, ist von einer Krankheit befallen, ist leidend und schwer krank, und sie verneigt sich ehrfurchtsvoll zu Füßen des ehrwürdigen Ānanda.‘ Sage auch: ‚Gut wäre es, o Herr, wollte sich der ehrwürdige Ānanda von Mitleid bewogen zum Nonnenkloster begeben, wo jene Nonne weilt.‘“—„Ja, Ehrwürdige!“ erwiderte jener Mann der Nonne und begab sich dorthin, wo der ehrwürdige Ānanda weilte. Dort angelangt, begrüßte er den ehrwürdigen Ānanda ehrerbietig und setzte sich zur Seit nieder. Seitwärts sitzend sprach jener Mann zum ehrwürdigen Ānanda also: „Eine Nonne mit dem und dem Namen, o Herr, ist von einer Krankheit befallen, ist leidend und schwer krank. Sie verneigt sich ehrfurchtsvoll zu Füßen des ehrwürdigen Ānanda und läßt sagen: ‚Gut wäre es, o Herr, wollte sich der ehrwürdige Ānanda von Mitleid bewogen zum Nonnenkloster begeben, wo jene Nonne weilt.‘“ Durch Schweigen gab der ehrwürdige Ānanda seine Zustimmung.
Es rüstete sich nun der ehrwürdige Ānanda, nahm Gewand und Almosenschale und begab sich zum Nonnenkloster, wo jene Nonne weilte. Jene Nonne aber sah den ehrwürdigen Ānanda schon von weitem herankommen. Bei seinem Anblick legte sie sich auf ihr Lager und hüllte sich bis über den Kopf ein. Der ehrwürdige Ānanda nur begab sich dorthin, wo jene Nonne weilte. Dort angelangt, setzte er sich auf dem an gebotenen Sitze nieder und sprach zu jener Nonne also :
- „Durch Nahrung, o Schwester, ist dieser Körper geworden; auf Nahrung gestützt, ist die Nahrung zu überwinden.
- Durch Begehren, o Schwester, ist dieser Körper geworden; auf Begehren gestützt, ist das Begehren zu überwinden.
- Durch Eigendünkel, o Schwester, ist dieser Körper geworden; auf Eigendünkel gestützt, ist der Eigendünkel zu überwinden.
- Durch Begattung, o Schwester, ist dieser Körper geworden; und die Begattung hat der Erhabene als Zerstörung der Grenze bezeichnet.
Es wurde gesagt: ‚Durch Nahrung, o Schwester, ist dieser Körper geworden; auf Nahrung gestützt, ist die Nahrung zu überwinden.‘ Mit Bezug worauf aber wurde dies gesagt? Da nimmt, o Schwester, der Mönch weise besonnen die Almosenspeise zu sich, nicht etwa zum Vergnügen oder aus Betörung, nicht um üppig und schön zu werden; sondern eben nur zur Erhaltung und Fristung dieses Körpers, um Schaden zu verhüten und den heiligen Wandel zu ermöglichen; im Gedanken: ‚Auf diese Weise werde ich das alte Gefühl stillen und keine neuen Beschwerden aufkommen lassen, und langes Leben, Unbescholtenheit und Wohlbefinden wird mir beschieden sein‘. Nach einiger Zeit überwindet er nun, auf Nahrung gestützt, die Nahrung. Wurde also gesagt: ‚Durch Nahrung, o Schwester, ist dieser Körper geworden; auf Nahrung gestützt, ist die Nahrung zu überwinden‘, so wurde dies eben darum gesagt.
Es wurde gesagt: ‚Durch Begehren, o Schwester, ist dieser Körper geworden; auf Begehren gestützt, ist das Begehren zu überwinden.‘ Mit Bezug worauf aber wurde dies gesagt? Da vernimmt, o Schwester, ein Mönch die Kunde: ‚Ein Mönch mit dem und dem Namen hat durch Versiegung der Triebe noch bei Lebzeiten die von Trieben freie Gemütserlösung und Weisheitserlösung erreicht, sie selber erkennend und verwirklichend.‘ Da wird ihm also zumute: ‚Ach, wann werde auch ich durch Versiegung der Triebe noch bei Lebzeiten die von Trieben freie Gemütserlösung und Weisheitserlösung erreichen, sie selber erkennend und verwirklichend?‘ Nach einiger Zeit nun überwindet er, auf Begehren gestützt, das Begehren. Wurde also gesagt: ‚Durch Begehren, o Schwester, ist dieser Körper geworden; auf Begehren gestützt, ist das Begehren zu überwinden‘, so wurde dies eben darum gesagt.
Es wurde gesagt: ‚Durch Eigendünkel, o Schwester, ist dieser Körper geworden; auf Eigendünkel gestützt, ist der Eigendünkel zu überwinden.‘ Mit Bezug worauf aber wurde dies gesagt? Da vernimmt, o Schwester, ein Mönch die Kunde: ‚Ein Mönch mit dem und dem Namen hat durch Versiegung der Triebe noch bei Lebzeiten die von Trieben freie Gemütserlösung und Weisheitserlösung erreicht, sie selber erkennend und verwirklichend.‘ Da wird ihm also zumute: ‚Ja, wenn jener Ehrwürdige durch Versiegung der Triebe noch bei Lebzeiten die von Trieben freie Gemütserlösung und Weisheitserlösung erreicht hat, warum sollte auch ich dies nicht können?‘ Nach einiger Zeit nun überwindet er, auf Eigendünkel gestützt, den Eigendünkel. Wurde also gesagt: ‚Durch Eigendünkel, o Schwester, ist dieser Körper geworden; auf Eigendünkel gestützt, ist der Eigendünkel zu überwinden‘, so wurde dies eben darum gesagt.
Durch Begattung, o Schwester, ist dieser Körper geworden, und die Begattung hat der Erhabene als Zerstörung der Grenze bezeichnet.“
Da nun erhob sich jene Nonne von ihrem Lager, schlug das Gewand über eine Schulter, und gesenkten Hauptes fiel sie dem ehrwürdigen Ānanda zu Füßen und sprach: „Eine Schuld, o Herr, hat mich überkommen, aus Torheit, Verblendung und Schlechtigkeit, daß ich da also gehandelt habe. Wolle doch, o Herr, der ehrwürdige Ānanda das Geständnis meiner Schuld als solches annehmen, auf daß ich mich künftig beherrsche!“
„Ja, wahrlich, o Schwester, eine Schuld hat dich überkommen, aus Torheit, Verblendung und Schlechtigkeit, daß du da also gehandelt hast! Insofern du aber, Schwester, deine Schuld als Schuld erkennst und der Vorschrift gemäß Sühne tust, so wollen wir das von dir annehmen. Denn es gilt, o Schwester, als ein Fortschritt in der Zucht des Heiligen, wenn man seine Schuld als Schuld bekennt, der Vorschrift gemäß Sühne tut und künftig sich beherrscht.“