Die Fragen des Königs Milinda

Teil 3: Lösungen der Zweifel

Kapitel 6

3.6.1. Der Körper eine Wunde

Der König sprach: „Ist wohl, o Herr, den Hauslosen (Mönchen) ihr Körper lieb?“

„Nein, o König, Hauslose lieben nicht ihren Körper.“

„Warum aber hegt und pflegt ihr dann euren Körper, o Herr?“

„Hat dich wohl, o König, schon einmal in der Schlacht ein Pfeil getroffen?“

„Freilich, o Herr, das kam schon vor.“

„Und hat man da wohl nicht, o König, die Wunde mit Salbe bestrichen und eingeölt und einen weichen Verband angelegt?“

„Ja, o Herr.“

„So war dir wohl die Wunde lieb, o König?“

„Nein, o Herr, die Wunde war mir nicht lieb. Sondern bloß, damit das Fleisch wieder nachwachse, hat man dieselbe mit Salbe bestrichen und eingeölt und einen Verband angelegt.“

„Ebensowenig aber auch, o König, ist den Hauslosen ihr Körper lieb. Ohne irgendwie daran zu hängen, pflegen die Hauslosen ihren Körper, und zwar bloß um dem heiligen Wandel eine Stütze zu bieten. Auch der Erhabene hat den Körper mit einer Wunde verglichen. Und so pflegen denn die Hauslosen diesen Körper gleichsam wie eine Wunde, ohne irgendwie daran zu hängen. Auch der Erhabene, o König, hat folgendes gesagt:

Ganz von feuchter Haut umwickelt
Ist hier diese große Wunde
Und aus den neun Löchern allen
Strömet Kotgestank und Fäule.“

„Klug bist du, ehrwürdiger Nāgasena!“