Die Fragen des Königs Milinda

Teil 7

Kapitel 2

7.3.3. Das Samenkorn

„Zwei Eigenschaften des Samenkornes, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“

„Gleichwie, o König, auf gutem Boden und bei rechten Regengüssen schon ein wenig Samen gar bald viele Früchte bringen wird: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, recht handeln, auf daß ihm seine Sittlichkeit die vollen Früchte des Asketentums zuteil werden lasse. Das, o König, ist die erste Eigenschaft des Samenkornes, die er anzunehmen hat.

Wie ferner, o König, das auf völlig reinen Boden gesäte Samenkorn gar bald aufgeht: so auch gelangt der vom Yogi, dem Yogabeflissenen, wohl gepflegte, in der Einsamkeit völlig geläuterte Geist, sobald er auf edlen Boden, auf die Grundlagen der Achtsamkeit (Satipatthāna), gepflanzt wird, gar schnell zur Entfaltung. Das, o König, ist die zweite Eigenschaft des Samenkornes, die er anzunehmen hat. Auch der Ordensältere Anuruddha, o König, hat gesagt:

Gleichwie, wenn man auf reinen Boden
Auch nur ein wenig Samen sät,
Er dennoch viele Früchte bringt
Und heiter stimmt den Bauersmann:

Genau so mag des Kämpfers Geist,
Geläutert in der Einsamkeit,
Sich bald entfalten in dem Boden
Der Grundlagen der Achtsamkeit.“