Die Fragen des Königs Milinda
Teil 7
Kapitel 2
7.3.6. Der Anker
„Zwei Eigenschaften des Schiffsankers, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“
„Gleichwie, o König, der Schiffsanker mitten auf der von vielen Wellenbergen ganz bedeckten und aufgewühlten Wasserfläche des gewaltigen Weltmeeres das Schiff festhält, zum Stehen bringt und nicht nach jedweder Himmelsrichtung hintreiben läßt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, beim Anprall der von den Wellenbergen der Gier, des Hasses und der Verblendung erregten heftigen Gedanken den Geist fest verankern und ihn nicht in jedwede Richtung hintreiben lassen. Das, o König, ist die erste Eigenschaft des Schiffsankers, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Anker nicht etwa auf der Oberfläche schwimmt, sondern tief hinab geht und in hundert Fuß tiefem Wasser das Schiff festhält und es zum Stehen bringt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, bei Erlangung von Gaben, Ruhm, Ehrenbezeigung, Verehrung, Begrüßung, Huldigung und Hochschätzung, ja selbst bei höchstem Gewinn und Ruhme nicht auf der Oberfläche schwimmen, sondern seinen Geist eben auf bloße Fristung seines Körpers heften. Das, o König, ist die zweite Eigenschaft des Schiffsankers, die er anzunehmen hat.
Auch der Ordensältere Sāriputta, o König, der Feldherr des Gesetzes, hat gesagt:
Nicht schwimmt im Meer der Anker oben,
Zur Tiefe steiget er hinab.
So dürft auch ihr nicht bei Geschenken oben schwimmen,
Zur Tiefe sollt ihr steigen, tief hinab.“