Die Fragen des Königs Milinda
Teil 7
Kapitel 3
7.4.10. Der Weltherrscher
„Vier Eigenschaften des Weltherrschers, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“
„Gleichwie, o König, der Weltherrscher durch vier Gunstbezeigungen (durch Gaben, freundliche Rede, guten Rat und Unparteilichkeit) die Herzen der Menschen gewinnt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflisene, die Herzen der vierfachen Jüngerschar (der Mönche, Nonnen, Anhänger und Anhängerinnen) gewinnen, sie freundlich und froh stimmen. Das, o König, ist die erste Eigenschaft des Weltherrschers, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, bei Leibzeiten des Weltherrschers keine Räuber aufkommen können: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, keine sinnlichen, gehässigen und grausamen Gedanken aufkommen lassen. Das, o König, ist die zweite Eigenschaft des Weltherrschers, die er anzunehmen hat. Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, hat gesagt:
Wer freudig schlechtes Denken unterdrückt,
Des Körpers Unreinheit gedenk, stets klarbewußt,
Der wird ein Ende machen allem Leid,
Der wird durchbrechen Māras festes Band.
Wie ferner, o König, der Weltherrscher täglich die große meerumgrenzte Erde durchwandert, um das Gute und Böse zu prüfen: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, Tag für Tag seine Taten in Werken, Worten und Gedanken bei sich prüfen und sich fragen: ‚Verbringe ich wohl den Tag untadelig in diesen drei Dingen?‘ Das, o König, ist die dritte Eigenschaft des Weltherrschers, die er anzunehmen hat. Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, sagt in der hehren Angereihten Sammlung: ‚In welchem Zustande verbringe ich wohl diesen Tag und diese Nacht? Das hat der Hauslose häufig bei sich zu erwägen.‘
Wie ferner, o König, der Weltherrscher innerhalb und außerhalb des Palastes mit Wachen wohlversehen ist: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, die Achtsamkeit als Torhüter aufstellen, um die nach innen und außen gerichteten Leidenschaften von sich abzuwehren. Das, o König, ist die vierte Eigenschaft des Weltherrschers, die er anzunehmen hat. Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, hat gesagt: ‚Die Achtsamkeit als Torhüter nehmend, o König, überwindet der edle Jünger das Unheilsame und entfaltet das Heilsame, überwindet er das Tadelige und entfaltet das Untadelige und bewahrt sein Herz in Reinheit.‘“