Die Fragen des Königs Milinda

Teil 7

Kapitel 4

7.5.2. Die Katze

„Zwei Eigenschaften der Katze, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“

„Gleichwie die Katze, o König, wenn sie sich in einer Höhle, einem Loch oder einem Hause befindet, beständig nach Ratten sucht: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, wenn er im Dorfe oder Walde oder am Fuße eines Baumes oder in einer leeren Behausung sich befindet, allzeit, immerdar unermüdlich bloß nach der in der ‚Körperbetrachtung‘ (kāyagatā-sati) bestehenden Nahrung suchen. Das, o König, ist die erste Eigenschaft der Katze, die er anzunehmen hat.

Wie ferner, o König, die Katze bloß in der Nähe auf Beute ausgeht: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, bei eben diesen fünf mit Anhaften verbundenen Daseinsgruppen in der Betrachtung ihres Entstehens und Vergehens verweilen: ‚So ist die Form, so entsteht sie, so löst sie sich auf. So ist das Gefühl, so entsteht es, so löst es sich auf. So ist die Wahrnehmung, so entsteht sie, so löst sie sich auf. So sind die geistigen Bildungen, so entstehen sie, so lösen sie sich auf. So ist das Bewußtsein, so entsteht es, so löst es sich auf.‘ Das, o König, ist die zweite Eigenschaft der Katze, die er anzunehmen hat. Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, hat gesagt:

Schaut nicht in weite Fernen hin!
Wozu nützt höchstes Dasein euch?
Im gegenwärtigen Getriebe,
Im eignen Körper findet ihr's.“