Die Fragen des Königs Milinda
Teil 7
Kapitel 5
7.6.7. Die Fledermaus
„Zwei Eigenschaften der Fledermaus, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“
„Gleichwie die Fledermaus, o König, wenn sie in ein Haus hineingeflogen und einige Zeit umhergeflogen ist, wieder hinausfliegt, ohne dort lange zu zögern: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, wenn er ins Dorf um Almosen gegangen und der Reihe nach von Haus zu Haus getreten ist, mit der erlangten Almosenspeise sofort wieder das Dorf verlassen, ohne dort lange zu zögern. Das, o König, ist die erste Eigenschaft der Fledermaus, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, wenn die Fledermaus in fremder Leute Haus weilt, sie diesen keinen Schaden verursacht: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, wenn er sich zu den Familien hinbegeben hat, diesen keinerlei Reue verursachen (d.h. ein Bedauern, einen unwürdigen Mönch unterstützt zu haben), sei es durch zu vieles Bitten, oder durch häufige Anspielungen, oder häufige Fehler im Benehmen, oder durch zu vieles Reden, oder durch Gleichgültigkeit gegen ihr Glück und Unglück; auch soll er sie nicht ihre Hauptarbeit vernachlässigen lassen, sondern ihnen in jeder Weise Erfolg wünschen. Das, o König, ist die zweite Eigenschaft der Fledermaus, die er anzunehmen hat. Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, sagt in der Sammlung der Langen Lehrreden, in dem ‚Sutta von den Merkmalen‘ (Lakkhana-Sutta):
Ach, möchten andre niemals Schaden leiden
An Tugend, Wissen, Einsicht und Vertrau'n,
An mildem Sinn, Rechtschaffenheit und all dem Guten,
Wie Geld und Gütern, Feldern und Gebäuden,
An Kindern, Frauen und an ihren Herden,
An Vettern, an Verwandten und an Freunden,
An Kraft, auch nicht an Armut und an Glück!
So denkend wünscht er jeden Vorteil und Erfolg.“