Die Fragen des Königs Milinda
Teil 7
Kapitel 6
7.7.6. Der Regen
„Fünf Eigenschaften des Regens, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“
„Gleichwie, o König, der Regen allen Staub vertreibt, der aufsteigt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, den Staub und Schmutz der Leidenschaften, sobald er aufsteigt, vertreiben. Das, o König, ist die erste Eigenschaft des Regens, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Regen die Erde abkühlt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, durch Entfaltung der Liebe der Welt mitsamt ihren Göttern Kühlung bringen. Das, o König, ist die zweite Eigenschaft des Regens, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Regen alle Keime zum Wachsen bringt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, in allen Wesen das Vertrauen erwecken und diesen Vertrauenskeim in den drei ‚erreichbaren Zuständen‘ zur Entfaltung bringen: in der Erreichung himmlischen wie menschlichen Daseins bis zur Erreichung des höchsten Zieles, des Nibbānaglückes. Das, o König, ist die dritte Eigenschaft des Regens, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Regen die durch Hitze gezeugten, auf der Erdoberfläche wachsenden Gräser, Gewächse, Schlingpflanzen, Büsche, Kräuter und Bäume am Leben erhält: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, weise Erwägung erwecken und mit Hilfe jener weisen Erwägung das Asketentum aufrecht erhalten, sowie alle die in weiser Erwägung wurzelnden heilsamen Dinge. Das, o König, ist die vierte Eigenschaft des Regens, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Regen, wenn er niederströmt, mit seinen Wasserströmen die Flüsse, Pfützen, Teiche, Bergspalten, Klüfte, Seen, Gruben und Brunnen füllt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, indem er den Regen der (Buddha-) Lehre niederströmen läßt, den Geist der nach dem Ziele Begehrenden mit der Kenntnis der Botschaft erfüllen. Das, o König, ist die fünfte Eigenschaft des Regens, die er anzunehmen hat. Auch der Ordensältere Sāriputta, o König, der Feldherr des Gesetzes, hat gesagt:
Den Wissensfähigen erkennend,
Selbst hunderttausend Meilen fern,
Eilt zu ihm hin der große Weise,
Macht ihm das Wissen offenbar.“