Saṃyutta Nikaya 54
Ein- und Ausatmungen
8. Die Lampe
In Sāvatthi. Der Erhabene sprach:
„Die Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung, ihr Mönche, entfaltet und ausgebildet, verleiht große Frucht und großen Segen. Wie aber ist die Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung zu entfalten und auszubilden, daß sie große Frucht und großen Segen verleiht?
Da begibt sich der Mönch, ihr Mönche, in den Wald oder an den Fuß eines Baumes oder in eine leere Klause, setzt sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, die Achtsamkeit um den Mund herum gestellt und übt die sechzehnfache Atembetrachtung. So ist die Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung zu entfalten und auszubilden, daß sie große Frucht und großen Segen verleiht.
Auch ich, ihr Mönche, habe noch vor der vollen Erwachung, als noch nicht Vollkommen Erwachter, Erwachung erst Erringender, häufig in diesem Verweilen geweilt. Häufig in diesem Verweilen verweilend, ihr Mönche, wurden weder mein Körper nach meine Augen erschöpft, und ohne Hangen wurde mein Herz von den Trieben erlöst.
Wünscht sich daher, ihr Mönche, ein Mönch: ‚Möchte doch weder mein Körper noch meine Augen erschöpft werden und möchte mein Herz ohne Hangen von den Trieben erlöst werden.‘ dann soll er nur seine Aufmerksamkeit recht auf diese Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung richten.
Wünscht sich daher, ihr Mönche, ein Mönch: ‚Möchte ich doch meine hausgewohnten Erinnerungen und Pläne überwinden.‘ dann soll er nur seine Aufmerksamkeit recht auf diese Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung richten.
Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: ‚Möchte ich doch so verweilen, daß ich Nichtwiderwärtiges als widerwärtig wahrnehme.‘ dann soll er nur seine Aufmerksamkeit recht auf diese Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung richten.
Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: ‚Möchte ich doch so verweilen, daß ich Widerwärtiges als nichtwiderwärtig wahrnehme.‘ dann soll er nur seine Aufmerksamkeit recht auf diese Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung richten. Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: ‚Möchte ich doch so verweilen, daß ich Nichtwiderwärtiges und Widerwärtiges als widerwärtig wahrnehme.‘ dann soll er nur seine Aufmerksamkeit recht auf diese Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung richten.
Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: ‚Möchte ich doch so verweilen, daß ich Widerwärtiges und Nichtwiderwärtiges als nichtwiderwärtig wahrnehme.‘ dann soll er nur seine Aufmerksamkeit recht auf diese Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung richten.
Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch ‚Möchte ich doch Nichtwiderwärtiges und Widerwärtiges beides hinter mir lassen und gleichmütig verweilen, achtsam und klar bewußt, dann soll er nur seine Aufmerksamkeit recht auf diese Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung richten.
Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: ‚Möchte ich doch die vier Schauungen erreichen und in ihnen verweilen, dann soll er nur seine Aufmerksamkeit recht auf diese Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung richten.
Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: ‚Möchte ich doch die vier stillen Freiungen der Formlosigkeit erreichen und in ihnen verweilen.‘ dann soll er nur seine Aufmerksamkeit recht auf diese Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung richten.
Wünscht sich, ihr Mönche, ein Mönch: ‚Möchte ich doch nach völliger Übersteigung der Grenzscheide möglicher Wahrnehmung die Auflösung von Wahrnehmung und Fühlbarkeit erreichen und darin verweilen.‘ dann soll er nur seine Aufmerksamkeit recht auf diese Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung richten.
Ist, ihr Mönche, die Einigung bedachtsamer Ein- und Ausatmung derart entfaltet und ausgebildet worden und fühlt er dann ein Wohlgefühl oder ein Wehgefühl oder ein Weder-Wohl-Noch-Weh-Gefühl, dann erkennt er: ‚Es ist unbeständig.‘ erkennt ‚Es ist unangelegen.‘ erkennt ‚Es ist ungenügend‘.
Das Wohlgefühl fühlt er entfesselt, das Wehgefühl fühlt er entfesselt, das Weder-Wohl-Noch-Weh-Gefühl fühlt er entfesselt.
Ein körpergefährdendes Gefühl fühlend, erkennt er: ‚Ich fühle ein körpergefährdendes Gefühl. Ein lebensgefährdendes Gefühl fühlend, erkennt er: ‚Ich fühle ein lebensgefährdendes Gefühl‘.
Er erkennt: ‚Wenn der Körper zerfällt und die Lebenskraft verbraucht ist, dann wird alles, was hienieden noch empfindbar, wenn auch ohne Genügen war, kühl werden‘.
Gleichwie etwa, ihr Mönche, das Öl und der Docht eine Öllampe leuchten lassen; wenn aber Öl und Docht verbraucht sind und neue Nahrung nicht zugeführt wird, sie ohne Nahrung erlischt: Ebenso nun auch, ihr Mönche, erkennt man, ein körpergefährdendes Gefühl fühlend: ‚Ich fühle ein körpergefährdendes Gefühl.‘ erkennt man, ein lebensgefährdendes Gefühl fühlend: ‚Ich fühle ein lebensgefährdendes Gefühl‘.“