Theragāthā

Die Lieder der Mönche

Vierzehner-Bruchstück

14.1. Revato

Seit ich hinausgezogen bin
vom Haus in die Hauslosigkeit,
erkenn’ ich keine Absicht mehr,
die unedel, mit Haß verbunden.

„Ach, tötet diese! Schlachtet sie!
Die Wesen sollen Leid erfahren!“
Nicht mehr erkenn’ ich solche Absicht
in dieser langen Zwischenzeit.

Die Mettā hab ich tief erkannt,
hab unermeßlich sie entfaltet,
mir Schritt für Schritt vertraut gemacht,
wie von dem Buddho aufgezeigt.

Bin aller Freund, Gefährte aller,
fühl’ mich mit allen Wesen eins,—
den Metta-Geist entfalte ich,
bin ohne Feindschaft immer froh.

Das Uneinnehmbar-Unerschütterliche
bringt tiefe Freude in mein Herz,—
das Brahmawohnen ich entfalte,
von schlechten Menschen nicht verfolgt.

Gedankenstille hat erreicht,
des Vollerwachten Schüler er,
tief in den edlen Stand des Schweigens
ist er getaucht für alle Zeit.

Wie im Gebirg das Felsmassiv
ist unbewegt gut aufgestellt:
so der verblendungsfreie Mönch
wie das Gebirge nicht mehr zittert.

Bei einem fleckenlosen Menschen,
der immer nur das Reine sucht,
Haarspitzenmaß des Schlechten
gleichwie ein Wolkenmaß erscheint.

Gleichwie die Stadt, dicht an der Grenze,
bewacht von innen und von außen,
so hüt’ man sich das eigne Selbst,
die kleinste Zeit verschwend’ man nicht!

Bin tief erfreut am Tode nicht,
bin tief erfreut am Leben nicht,
die Todeszeit ich warte ab,
gleichwie der Diener seinen Lohn.

Bin tief erfreut am Tode nicht,
bin tief erfreut am Leben nicht,
die Todeszeit ich warte ab,
verstehend alles, achtsam ganz.

Verehrt von mir der Meister ist,
getan des Buddho Weisung ist,
und abgelegt die schwere Last,
der ganze Werdensfluß entfernt.

Zu welchem Zweck ich zog hinaus,
vom Haus in die Hauslosigkeit,
der Zweck ist nun von mir erreicht:
all meiner Fesseln Untergang.

„Strebt eifrig ohne Lässigkeit!“
Nur dies ist meine Unterweisung.
Wohlan, ich werde ganz erlöschen,
befreit bin ich allüberall.