Theragāthā

Die Lieder der Mönche

Vierzehner-Bruchstück

14.2. Godadatto (Kuhselbst)

Gleichwie ein gutes Rassepferd,
ans Joch gebunden, Joch erträgt,
bedrückt von allzuschwerer Last,
dem Zuggeschirr sich nicht entwindet:

So in der Weisheit sind zufrieden,
gleichwie das Meer mit seinem Wasser,
die andere nicht mehr verachten:
das ist die Edelart der Wesen.

Wenn in der Zeit die Zeit erfahren,
zum Werden-Nichwerden gegangen:
die Menschen gehn zum Leid hinab,
sie klagen hier als Junge schon.

Die hochgestimmt vom Glücksereignis,
vom Leidensumstand tief bedrückt:
zweifach die Toren sind geschlagen,
die das, was wirklich ist, nicht sehn.

Doch die beim Leid und auch beim Glück
die Naht der Mitte überschritten,
die stehen wie die Indrasäule:
sind nicht erhoben, nicht bedrückt.

Nicht vom Gewinn, nicht vom Verlust,
vom Ruhm nicht und vom Ansehn nicht,
vom Tadel nicht, auch nicht vom Lob,
vom Leiden nicht und nicht vom Glück—

Allüberall schmiert nichts sie zu (benetzt sie nichts),
wie Wassertropfen nicht den Lotus,
allüberall sind Glückeshelden,
allüberall sind unbesiegt.

Wer rechtlich zu Gewinn nicht kommt,
und wer Gewinn unrecht erhält:
der rechtlich Nichtgewinn ist besser,
als unrechtmäßiger Gewinn.

Und Ruhm gibt es bei Weisheitsarmen,
bei Weisheitsvollen keinen Ruhm,—
kein Ruhm ist besser bei den Weisen,
nicht dieser Ruhm bei Weisheitsarmen.

Und bei den Dummen gibt es Loben,
bei Weisen gibt es öfter Tadel,—
der Tadel besser ist bei Weisen,
als aller Toren Lobgesang.

Es gibt ein Glück aus Sinnenlust,
ein Leiden aus der Einsamkeit,—
Einsamkeitsleiden besser ist,
als sinnenlusterzeugtes Glück.

Es gibt ein Leben ungesetzlich,
gesetzlich gibt es einen Tod,—
der Tod gesetzlich besser ist,
als wollt’ man leben ungesetzlich.

Die Sinnenwirbel aufgegeben,
die stillen Geists im Werdensstrom,
sie gehen in der Welt nicht haftend,
nicht gibt es für sie lieb-unlieb.

Entfaltend die Erwachungsglieder,
die Fähigkeiten und die Kräfte,
erlangen sie den höchsten Frieden,
erlöschen sie, von Einfluß frei.