Theragāthā
Die Lieder der Mönche
Zwanziger-Bruchstück
16.10. Pārāpariyo
Dem Pilgernden kam ein Gedanke
im blütenreichen, großen Wald,
dem Einspitzigen, Sitzenden,
dem Abgeschied’nen, Sich-Vertiefenden:Wie anders war beim Weltbeschützer,
beim standhaften, beim höchsten Menschen,
noch das Verhalten seiner Bhikkhus,—
wie anders ist es jetzt zusehen!Vor Kälte, Sonnenwind, als Schutz
das Lendentuch bedeckte sie,
das Maß einhaltend, aßen sie,
zufrieden stets auf jede Weise.Ob vorzüglich oder dürftig,
ob es wenig oder viel:
nur zum Lebensgang sie aßen,
ohne Gier, nicht zugeneigt.Zum Lebensgang an Ausstattung,
an Medizin, dann an Versorgung
nicht allzu viel verlangten sie,
wie alle, die am Einfluß-Ende.Im Walde unter Baumeswurzeln,
in tiefen Schluchten und in Höhlen,
die Abgeschiedenheit sie pflegten
und lebten nur noch hingegeben.In Demut fest und leicht ertragend,
voll Sanftmut und nicht starren Herzens,
ganz ungeschwächt, nicht schwatzhaft lärmend,
den Sinn der Lehre nur bedenkend.Daher war stets so angenehm
ihr Gang, ihr Essen, ihr Besuch,—
geschmeidig wie ein Strom von Öl
war die Bewegung ihres Körpers.Von allem Einfluß ganz befreit,
in der Vertiefung und im Glücke groß:
erloschen sind jetzt diese Theras,
jetzt gibt’s nur wenig solcher Art.Durch aller heilsam guten Dinge
und aller Weisheit Untergang
die höchste wohl in jeder Hinsicht,
die Siegerbotschaft wird zerstört.Und naht der unheilvollen Dinge
und der Beschmutzungen die Zeit,—
durch rechte Abgeschiedenheit
sie bleiben dem Saddhammo treu.Wenn die Beschmutzungen sich mehren,
ergreifen sie das ganze Volk,
sie spielen, denk’ ich, mit den Toren,
wie mit Verrückten die Dämonen.Die überwältigt sind von Schmutz,
die da und dort herumgeirrt,
die Menschen bei den Schmutzobjekten
sind selbstbesessen, jammern laut.Ist aufgegeben der Saddhammo,
sie streiten miteinander sich,
geraten in die Ansichtsfallen:
„Nur dies ist besser“, denken sie.Den Reichtum, Sohn und auch die Frau
sie warfen weg und zogen fort,—
um volle Kelle baten sie,
doch nicht die Pflichten übten sie.Den Bauch sie stopfen voll beim Essen,
und legen sich behaglich lang,
Gespräche führen sie, wenn wach,
die unser Lehrer hat getadelt.Sie üben Handwerkskünste aus,
die schätzen sie und lernen sie,—
gestillt tief innen sind sie nicht,
„Asketenziel“—es bleibt zurück.Den Ton, das Öl, die Puderpaste,
das Wasser, Sitz und Nahrungsmittel
den Haushältern sie preisen an,
daß die verlangen mehr und mehr.Mit Zahnholz und mit Holzapfel,
mit Blumen und mit Kaubarem
sind sie auf Bettelpfad versehn,
mit Früchten auch vom Mangobaum.Heilmittel haben sie wie Ärzte
und Pflichten, gleich den Haushältern,
wie eine Hure stehen sie im Schmuck,
sind Herrscher wie aus Kriegerkaste.Betrüger sind sie, Hintergeher,
sind falsche Zeugen voller Tücke
und wenden viele Listen an,
das Fleischliche genießen sie.Sie spiegeln Unterweisung vor
und haben nichts als List verfolgt,—
zum Unterhalt mit Kniff und Trick
sie sammeln großen Reichtum an.Sie rufen die Versammlung ein
zum Tätigsein, nicht Dhamma hören,—
den Dhammo lehren sie die andern
um Selbstgewinn, nicht um das Ziel.Um Sanghareichtum streiten sie,
als Sangho völlig außerhalb,—
von Anderer Gewinn sie leben,
sind ohne Scheu und nicht sich schämen.Sie üben nicht auf diese Weise,
als kahlgeschor’ne Robenträger,—
Verehrung sie sich wünschen grad,
von Lohn und Gastfreundschaft betört.So sind nun viele abgefallen,—
und abwärts jetzt ist’s nicht so leicht,
das Unerreichte zu erreichen
und das Erreichte recht zu schützen.Wie über eine Dornenstelle
er gehe ohne die Sandalen,
die Sati in sich aufgestellt:
so in dem Dorf der Muni gehe.Hat er gedacht an früh’re Yogis,
an ihr Geloben sich erinnert:
was immer bleibt an letzter Zeit,
er kann berühren Todlospfad.Als dies gesagt im Weidenhain
der Pilger, der die Sinne zwang,
der Brāhmano erlöschte ganz,
der Meister, frei von Wiederwerden.