Theragāthā

Die Lieder der Mönche

Dreissiger-Bruchstück

17.1. Phusso (der Klare)

Als er all diese Sanften sah,
im Selbst entfaltet, gut gezügelt,
ein Weiser der Pandarasa’s
befragte Phusso, sprach ihn an:

Was wird an Wille, was an Wunsch,
was an Erscheinung alles sein
in fernen, zukünftigen Zeiten?
Das mir erkläre, so gefragt.

„So höre nun das Wort von mir!“
Der Weise sprach zu Pandaro.
„Und gründlich auch behalte es!
Ich werd’ erklären Zukunft Dir.“

Von Zorn verzehrt und böswillig,
scheinheilig, starr, betrügerisch,
voll Neid und voller Meinungen:
so werden sie in Zukunft sein.

Sie rühmen sich der Lehrerkenntnis,
der tiefen, Jenseitsküstenweide,—
leichthin sie ehr’n den Dhammo nicht,
einander schenken sie nicht Achtung.

Viel an Gefahren in der Welt
erscheinen werden künftighin,—
und die wohl aufgezeigte Lehre
beschmutzen werden Törichte.

Die schwach an Tugend sind im Sangho,
die spielen sich als Weise auf,—
die werden stark an Einfluß sein,
viel schwatzen, weil sie nicht „gehört“.

Und selbst die Guten auch im Sangho,
die sich nach wahrem Zweck verhalten,
sie werden schwach an Einfluß sein,
von scheuem Geist und ohne Ziel.

An hellem Silber, reinem Gold,
an Land, Besitz, an Schafen, Ziegen,
an Sklavin, Sklavewohl die Dummen
ergötzen werden künftig sich.

Stets reizbar sind sie, diese Toren,
und im Verhalten ungesammelt,—
dreist werden wandern sie umher,
streitlustig wie die wilden Tiere.

Ganz unruhvoll siewerden sein,
von schwarzer Robe nur bedeckt,—
falsch-harte Schwätzer, aufgeblasen,
sie werden leben wie die Edlen.

Mit Öl geglättet ihre Haare,
ganz zapplig, mit geschminkten Augen,
sie werden gehn auf breiter Straße,
mit Weißgefärbter ganz bedeckt.

Was nicht verachtet von Befreiten,
das rechtgefärbte Heil’genbanner:
verachten werden sie die Gelbe,
in Weiße immer nur vernarrt.

Gewinn erpicht sie werden sein,
nur träge, von geringer Tatkraft,—
voll Überdruß am stillen Wald,
sie werden nahe Dörfern wohnen.

Nur denen, die Gewinn erlangen,
am schlechten Leben stets erfreut,
nur denen folgen sie noch nach
und teilen mit den Zügellosen.

Und die, die zu Gewinn nicht kommen,
die werden nicht mehr recht verehrt,—
und auch den liebenswerten Weisen
nicht folgen werden solche mehr.

Was eingefärbt mit fremder Farbe,
sie tadeln stets das eigne Banner
und der Sektierer Banner auch,—
sie werden tragen nur das Weiße.

Nicht achtenswert wird wohl die Gelbe
zu jener Zeit dann ihnen sein,—
ein tiefes Denken an die Gelbe
den Mönchen wird nicht länger sein.

Dem, der von Leiden überwältigt,
vom Pfeil durchbohrt, so sehr gequält,
der ganz bewußte große Schrecken
dem Elefanten war nicht auszudenken.

Als der Sechszähner dort gesehen
die gut gefärbte Heil’genfahne,
da eben sprach er diese Verse,
der Elefant, die sinnerfüllten:

Wer nicht befreit von Flecken ist
und zieht die gelbe Robe an,
von aller Zähmungswahrheit fern,
verdient die Gelbe wahrlich nicht.

Wer alle Flecken ausgespien,
in Tugend wohl gesammelt ist,
zur Zähmungswahrheit hingelangt,
verdient die Gelbe wahrlich sich.

Wer im Verhalten falsch, der Dumme,
gemein, nur Sinnenlüsten folgend,
im Geiste wandernd und nicht rein:
verdient die Gelbe wahrlich nicht.

Doch im Verhalten, wer vollendet,
vom Reize frei, gesammelt ist,
den Geist auf’s Weiße nur gerichtet:
verdient die Gelbe wahrlich sich.

Der unruhvolle, stolze Tor,
bei dem es Tugend gar nicht gibt,
das Weißgewand verdient er sich,—
die Gelbe, was soll sie ihm taugen?

Die Mönche und die Nonnen auch,
im Geist gestört und ohne Ehrfurcht,
all jene voller Mettageist
sie werden tadeln in der Zukunft.

Und selbst wenn alte Mönche lehren,
die Toren, die die Robe tragen,
nicht lauschen werden diese Dummen,
gemein, nur Sinnenlüsten folgend.

Und die so eingeübten Toren,
die sich einander nicht verehren,
sie werden nicht den Lehrer achten,
wie Schüttler nicht den Wagenlenker.

So in der zukünftigen Zeit
der Weg wird anzusehen sein
der Mönche und der Nonnen auch,
wenn angelangt die letzte Zeit.

Bevor dies alles kommt heran,
der Zukunft übergroßer Schrecken:
sanft redend seid, freundlich gesinnt!
Einander seid euch Ehrende!

Seid liebevoll und habt Erbarmen!
Seid in der Tugend gut gesammelt!
Macht Tatkraft auf und strebt im Selbst!
Steht immer fest in eurer Übung!

Ist Lässigkeit als Angst gesehn,
Nichtlässigkeit als Frieden bringend:
entfaltet den Achtgliederweg!
Berühret des Todlosen Pfad!