Theragāthā

Die Lieder der Mönche

Dreissiger-Bruchstück

17.2. Sāriputto

Recht lebend, achtsam stets und tief bedenkend,
in der Gedankenführung nie mehr lässig,
im Innern froh und gut in sich gesammelt,
allein zufrieden: den wohl nennt man ,Mönch’.

Wenn Frisches er undTrock’nes ißt,
nie sei er allzu stark gesättigt,
mit leerem Magen, mäß’ger Nahrung,
achtsam ein Mönch mag wandern gehn.

Hat er vier Bissen oder fünf
gegessen, trinke er noch Wasser:
genug ist das zum leichten Leben
für einen Mönch, in sich entschlossen.

Das Regelfolgen nimmt er an,
die Robe reicht ihm völlig aus:
genug ist das zum leichten Leben
für einen Mönch, in sich entschlossen.

Wer mit gekreuzten Beinen sitzt,
die Kniee netzt der Regen nicht:
genug ist das zum leichten Leben
für einen Mönch, in sich entschlossen.

Wer Glück als leidvoll nur noch sah,
und Leiden sah als Pfeilverwundung,
und zwischen beiden auch nicht war:
in welcher Welt was mag er sein?

„Mir bleibe fern ein Übelwünscher,
ein Träger, von geringer Tatkraft,
der nichts gehört und ohne Ehrfurcht!“
In welcher Welt was mag er sein?

Wer viel gehört und weise ist,
in Tugenden, wer gut gesammelt,
an Herzensstille angejocht:
der soll als Vorbild nah mir stehn!

Wer an die Vielfalt angejocht,
ein vielfalttief erfreutes Tier,
der hat verfehlt schon das Nibbānam,
den Übungsfrieden höchster Art.

Doch wer die Vielfalt aufgegeben,
auf dem Nichtvielfaltwege froh,
erreichte das Nibbāna schon,
den Übungsfrieden höchster Art.

Im Dorfe oder auch im Walde,
im tiefen Land undauf der Höhe:
wo Heilgewordene verweilen,
das ist ein angenehmer Ort.

Wie angenehm die Wälder sind,
wo nicht sich freut das ganze Volk,
nur die Entreizten Freude finden,
nicht die, die Sinnenlüste suchen!

Dem Klugen, der den Tadelspricht,
nur solchem Weisen schließ dich an!
Dem, der sich anschließt einem solchen,
gehts besser nur, nicht schlechter mehr.

Er möge raten, unterweisen,
von Niedrigem halten zurück,—
so ist er lieb Besonnenem,
unlieb dem Nichtbesonnenen.

Dem andern der erhab’ne Buddho
die Lehre zeigte auf, der Seher,—
und während er die Lehre zeigte,
lieh ich mein Ohr, den Sinn erforschend.

Das war mir blendungsfreies Hören,
befreit bin ich, von Einfluß frei,—
nicht mehr nach früh’rem Aufenthalt,
auch nicht nach einem Himmelsauge,

nach tiefer Herzenskunde Macht,
nach Weitergehn und Wiederkehren,
nach Hörbereiches Reinigung
ein Streben gab es da für mich.

An Baumeswurzel hingesetzt,
geschoren kahl, robenbedeckt,
an Weisheit nun der höchste Thero,
Upatisso sich tief versenkt.

Gedankenstille hat erreicht
des Vollerwachten Jünger er,—
tief in den edlen Stand des Schweigens
ist er getaucht für alle Zeit.

Wie im Gebirg das Felsmassiv
ist unbewegt gutaufgestellt,
so der verblendungsfreie Mönch
wie das Gebirge nicht mehr zittert.

Bei einemfleckenlosen Menschen,
der immer nur das Reine sucht,
Haarspitzenmaß desSchlechten
gleichwie ein Wolkenmaß erscheint.

Bin tief erfreut am Tode nicht,
bin tief erfreut am Leben nicht,—
den Körper werd’ ich legen ab:
aufmerksam, voller Achtsamkeit.

Bin tief erfreut am Tode nicht,
bin tief erfreut am Leben nicht,—
den Körper werd’ ich legen ab:
gleichwie der Diener seinen Lohn.

Die beiden Seiteneben dieses Todes:
nicht einem Tode später und nicht früher
folgt weiterhin, geht niemals mehr zugrunde!
Die kleinste Zeit verschwendet nicht!

Gleichwie die Stadt, dicht an der Grenze,
bewacht von innen und von außen,
so hüte dir das eigne Selbst,
die kleinste Zeit verschwende nicht.

Ganz still geworden, abgelassen,
die Texte sprechend unverwirrt:
er schüttelt ab die schlechten Dinge,
gleichwie das Blatt vom Baum der Wind.

Ganz still geworden, abgelassen,
die Texte sprechend unverwirrt:
zieh ab die schlechten Dinge all,
gleichwie das Blatt vom Baum der Wind.

Ganz still geworden, ohne Kummer,
im Glück geborgen, unverwirrt,
schön in der Tugend, voller Weisheit:
des Leidens Endiger er sei.

Vertraut sich nicht den Einzelgängern an,
bei Hausnern weder, noch bei Pilgern auch,—
gewesen gut, sind sie nicht länger gut,
nicht gut gewesen, sind sie wieder gut.

Der Sinnendrang und Abneigung,
die schlaffe Trägheit eines Mönchs,
die Unruh’ und das Zweifelschwanken:
fünf Geistesflecken sind dies wohl.

Wen die Verehrung nicht macht stolz
und auch die Nichtverehrung nicht,
die Sammlung nicht ins Wanken kommt,
wer immerfort nicht lässig bleibt:

Den, der beharrlich sich vertieft,
die feine Schau im Innern sieht,
am Haftensuntergang erfreut:
den nennt mit Recht man „wahrer Mensch“.

Das große Meer, die Erde nicht,
Gebirge nicht und nicht der Wind:
zum Gleichnisreichen sie nicht hin
des Lehrers, der die Freiheit lehrt.
(der so gut befreit.)

Das Rad hält er in Gang, der Thero,
groß an Erkenntnis und gesammelt,—
er ist wie Erde, Wasser, Feuer,
erregt sich nicht und wird nicht schlecht.

An Weisheit ist vollendet er,
ist weit an Einsicht, großer Muni:
nicht träge scheint er träg’ zu sein,
für immer lebt erloschen er.

Verehrt von mir der Meister ist,
getan des Buddho Weisung ist
und abgelegt die schwere Last,
der ganze Werdensfluß entfernt.

„Strebt eifrig ohne Lässigkeit!“
Nur dies ist meine Unterweisung.
Wohlan, ich werde ganz erlöschen,
befreit bin ich allüberall.