Theragāthā
Die Lieder der Mönche
Dreissiger-Bruchstück
17.3. Ānando
Mit Boshaftem und Zornigen,
mit Selbstischem, Zerstörungsfrohem
nicht Freundschaft schließt der Weise wohl:
schlecht ist mit schlechten Menschen Umgang.Mit dem Vertrauend-Liebenswerten,
der Weisheit sucht und viel gehört
wohl Freundschaft schließt der Weise sich:
Glück ist mit guten Menschen Umgang.Sieh diese schmuckgemachte Puppe,
den Wundenkörper, aufgebaut,
den kranken, von Gedanken voll,
der Dauer und Bestand nicht hat!Der viel gehört, ein Glanzredner,
des Buddho umsichtiger Diener,
der Lastenlose, ganz Entjochte:
das Lager macht sich Gotamo.Von Einfluß frei und ganz entjocht,
hält er nicht fest, ist voll erloschen,—
so trägt er seinen letzten Leib,
Geburt- und Todesjenseitsgänger.Bei wem die Lehren fest gegründet,
beim Buddha-Sonnenanverwandten:
auf dem Nibbāna-Wanderweg
steht sicher dieser Gotamo.Als er erwacht, behielt er zweiundachtzig,
zweitausend schon als Bhikkhu noch:
das waren vierundachtzigtausend,
die diese Lehren vorwärts brachten.Der Mensch, der wenig nur gehört,
dem Ochsen gleich vorm Pflug er altert,
die Fleischesmassen wachsen ihm,
die Weisheit aber wächst ihm nicht.Wer viel gehört und den, der kaum gehört,
mit dem Gehörten ganz verachtet,
gleichwie ein blinder Lampenhalter,
so eben scheint mir der zu sein.An den, der viel gehört, schließ er sich an,
und das Gehörte lasse er nicht schwinden,
es ist die Wurzelganz des Brahmalebens,
darum sei er ein wahrer Dhammaträger.Das Wortgefüge kennt er, kennt den Sinn,
und um den Weg der Sprache weiß er wohl,—
das gut Erfaßte faßt er gut in sich,
bewegt den Sinn, erforscht ihn klug.Auf die Geduld zielt der den Willen,
was er gewagt, das wägt er ab,
zur rechten Zeit strengt er sich an,
im Innern ist er gut gesammelt.Der viel gehört, den Dhammaträger,
den weisheitsreichen Buddhajünger,
den Lehrverständnis Wünschenden,
den teilt euch, den, der so geartet.Der viel gehört, der Dhammaträger,
der Schatzhüter des großen Weisen,
das Auge dieser ganzen Welt,
der zu verehren, der so viel gehört.Der Dhammafreud’ge, Dhammafrohe,
den Dhammo stets Bedenkende:
des Dhammo stets gewahr, der Mönch,
vom Dhammo fällt er nicht mehr ab.Wer nur das Körperselbst verehrt,
den lasse er und richte sich nicht auf,—
wer Leibeswohlsein nur begehrt,
woher Asketen-Leichtigkeit?Nicht leuchten mehr die Himmel alle,
die Dhammas kommen mir nicht in den Sinn,—
daß mir der gute Freund gegangen,
wie Dunkelheit scheint das zu sein.Ach, hingegangen der Gefährte,
er lebt nicht mehr, der gute Lehrer,—
jetzt gibt es nur noch einen Freund:
die Sati, die zum Körper geht.Die Alten alle sind vergangen,
mit Neuen mich nicht mehr verbindet:
so heut’ allein ich mich vertiefe,
gleichwie zur Regenzeit die Vögel.Zum Sehen kamen sie herbei
aus fremden Ländern, viele Menschen:
Geopfert seien nicht die Hörer!
Sie mögen meinen Orden sehn!Zum Sehen kamen sie herbei,
so zahlreich fremder Länder Menschen:
der Meister gibt Gelegenheit,
nicht weist sie ab, der’s Auge hat.Die ganzen fünfundzwanzig Jahre,
die auf dem Übungsweg ich bin,
nicht Lustgedanke kam mehr auf:
Sieh nur des Dhammo Kerngesetz!Die ganzen fünfundzwanzig Jahre,
die auf dem Übungsweg ich bin,
nicht Haßgedanke kam mehr auf:
Sieh nur des Dhammo Kerngesetz!Die ganzen fünfundzwanzig Jahre,
hab dem Erhab’nen ich gedient
mit liebevollem Körperwerk,
gleichwie der Schatten, der nicht weicht.Die ganzenfünfundzwanzig Jahre
hab dem Erhab’nenich gedient
mit liebevollem Redewerk,
gleichwie der Schatten, der nicht weicht.Die ganzen fünfundzwanzig Jahre
hab dem Erhab’nen ich gedient
mit liebevollem Geisteswerk,
gleichwie der Schatten, der nicht weicht.Dem Buddho, der ging auf und ab,
von hinten folgte ich ihm nach,—
als er den Dhammo aufgezeigt,
da stieg Erkenntnis in mir auf.Mir bleibt nun etwas noch zu tun,
ich übe noch, bin ohne Geisteskraft,—
der Meister fand Nibbānam ganz,
der mit uns hat so stark gefühlt.Da kam in mir der Schrecken auf,
da war in mir ein Haaressträuben
bei ihm, dem Höchstes ganz gelang,
beim ganz Erwachten, der erloschen.Der viel gehört, der Dhammaträger,
der Schatzhüter des großen Weisen,
das Auge dieser ganzen Welt:
ānando ist erloschen ganz.Der viel gehört, der Dhammaträger,
der Schatzhüter des großen Weisen,
das Auge dieser ganzen Welt
des Blindseins Dunkelheit vertreibt.Der aufrecht geht, der achtsam ist,
der fest entschlossen ist, der Weise,
der den Saddhammo trägt, ein Thero:
ānando, die Juwelenmine.Verehrt von mir der Meister ist,
getan des Buddho Weisung ist
und abgelegt die schwere Last,
der ganze Werdensfluß entfernt.