Theragāthā

Die Lieder der Mönche

Zwanziger-Bruchstück

16.8. Angulimālo (Fingergirlande)

Beim Gehen sagst Du, Du Asket: „Ich stehe!“
Und mich nennst Du beim Stehen „nicht stehend“.
Ich frage Dich, Asket, nun nach dem Sinn:
warum stehst Du und warum steh’ ich nicht?

Fest stehe ich, Angulimāla, überall,
bei allen Wesen legt’ ich ab den Stock
(bei allem, was geworden)
Du aber bei den Wesen ungezügelt bist:
darum steh’ ich und Du, der nicht steht, bist.
(bist einer, der nicht steht)

Jetzt endlich mir der hochverehrte, große Weise
im großen Walde, der Asket, erschien,—
ich werde lassen tausendfaches Schlechte:
hab’ ihn gehört, den Vers, dhammagebunden.

So jetzt der Räuber Schwert und scharfe Waffe
in tiefe Grube, Abgrund, „Hölle“ warf,—
der Räuber grüßte des Sugato Füße,
um Ordensweihe er den Buddho bat.

Der Buddho nun, der mitleidvolle Weise,
der Lehrer dieser Welt mit ihren Göttern,
das „Komm’ Bhikkhu!“ sprach er nur einfach aus:
das war für ihn das ganze Bhikkhuwerden.

Wer früher immer lässig war
und später dann nicht lässig mehr,
der bringt ein Leuchten in die Welt,
gleichwie der wolkenfreie Mond.

Bei wem die schlechtgetane Tat
mit heilsam Gutem wird bedeckt,
der bringt ein Leuchten in die Welt,
gleichwie der wolkenfreie Mond.

Wer in der Tat als junger Mönch
sich bindet an die Buddha-Weisung,
der bringt ein Leuchten in die Welt,
gleichwie der wolkenfreie Mond.

Die Feind mir mögen’s Lehrgespräch anhören!
Die Feind mir binden sich an Buddhaweisung!
Die Feind mir mögen jene Menschen teilen,
die diesen Dhammo fähig sind zu lehren!

Die Feind mir—beiden Lehren der Geduld,
den ungehindert lobenswerten,
sie mögen hör’n die Lehr’ zur rechten Zeit
und dann nach ihrer Weisung handeln!

Ach, niemals möge einer mich verletzen,
auch einen andern nicht und wen auch immer,—
er möge finden in die tiefste Stille
und schützen die, die zittern—und die zitterfrei!

Das Wasser leiten die Kanälebauer,
die Pfeilemacher schlichten sich den Pfeil,
das Holz die Zimmerleute schlichten,
das SELBST sich zähmen Tugendhafte.

Nur mit dem Stock die einen zähmen,
mit Stachelhaken und mit Peitsche,—
ganz ohne Stock und ohne Schwert
bin ich gezähmt von einem Großen.

„Gewaltfrei“ war einmal mein Name,
und voll Gewalt war ich doch früher,—
heut’ trage ich den wahren Namen,
denn nicht verletz’ ich irgendeinen.

Ein Räuber ich vorher nur war,
„Angulimālo“ weit bekannt,—
getragen von der großen Woge,
zur Buddhazuflucht ging ich hin.

Die Bluthand ich vorher nur war,
„Angulimālo“, weitbekannt,—
das Zuflucht gehen sieh nur an:
die Werdensstütze ist entfernt.

Nur schlechtes Werk hab ich getan,
ging oft auf falschen Wegen nur,—
berührt nun von der Kammafrucht,
kann schuldlos essen ich das Mahl.

An Lässigkeit sie binden sich,
die Menschen, töricht, ohne Wissen,—
Nichtlässigkeit der Weise sich
beschützt, wie seinen besten Schatz.

An Lässigkeit nicht bind’ man sich,
sei nicht mit Sinnenreiz vertraut,—
wer sich vertieft, nicht lässig ist,
gelangt zu einem reichen Glück.

Bin angekommen, ging nicht fort,
nicht ist dies schlechter Rat für mich,—
was an den Dingen ist zu teilen,
das Beste, das erlangte ich.

Bin angekommen, ging nicht fort,
nicht ist dies schlechter Rat für mich,—
drei Wissen sind von mir erlangt:
getan des Buddho Weisung ist.

Im Walde, unter Baumeswurzel,
in Bergen und in Höhlen auch:
wo ich auch früher immer stand,
war angsterfüllt mein wirrer Geist.

So glücklich liege ich und stehe,
so glücklich führe ich das Leben,
nicht in der Hand des Māro mehr:
ach, dieser Lehrer voll Erbarmen!

Aus Brahmastämmen ging ich vor,
beidseitig von Nordwestursprung,—
heut’ bin ich Sohn des Sugato,
des Dhammakönigs, meines Lehrers.

Vom Durst befreit, an nichts mehr haftend,
bewachten Tors und gut gesammelt,—
die Sorgenwurzel ausgespien,
hab ich erlangt das Einfluß-Ende.

Verehrt hab’ meinen Lehrer ich,
getan des Buddho Weisung ist,—
ist abgelegt die schwere Last,
die Werdensstütze ist entfernt.