Theragāthā

Die Lieder der Mönche

Sechziger-Bruchstück

20.1. Moggallāno

Als Waldgänger, Almosengänger,
nur mit der Sammelschale froh,
laßt brechen uns des Todes Heer,
wir innen gut Gesammelten!

Als Waldgänger, Almosengänger,
nur mit der Sammelschale froh,
wir schütteln durch des Todes Heer,
gleichwie das Reethaus der „Trompeter“.

Baumwurzelsitzer, Standhafte,
nur mit der Sammelschale froh,
laßt brechen uns des Todes Heer,
wir innen gut Gesammelten!

Baumwurzelsitzer, Standhafte,
nur mit der Sammelschale froh,
wir schütteln durch des Todes Heer,
gleichwie das Reethaus der „Trompeter“.

In einer Knochenkettenhütte,
auf die das Fleisch ist aufgenäht,
pfui, sag ich, die auch voll Gestank,
ein fremder Körper, mein gemacht,—

ein Sack voll Mist, mit Haut verschmiert,
die Brustgeschwulst dämonisch stark,—
neun Ströme sind in deinem Körper
und diese fließen überall.

Und diesen deinen Neunstromkörper,
voll von Gestank, von Schmutz umgeben,
ihn wird ein Bhikkhu immer meiden,
wie Jauchegrub’, wer Reines liebt.

Wenn so das Volk es würde wissen,
gleichwie es weiß nun einmal ich:
von weitem würde es dich meiden,
wie Kotplatz in der Regenzeit.

So ist es wohl, du großer Held,
wie du, Asket, es einfach sagst:
hier sinken viele an mir nieder,
gleichwie in Staub ein alter Bulle.

Im Himmelsraum weithin verblassend,
wer da sich denkt, hineinzumalen
mit einer völlig ander’n Farbe,
dem würde nur Verdruß entsteh’n.

An solch ein raumgleiches Gemüt,
im Inneren wohl gut gesammelt,—
an Schlechtgemüt nicht halte dich,
wie Feuermasse flieht der Vogel.

Sieh diese schmuckgemachte Puppe,
den Wundenkörper, aufgebaut,
den kranken, von Gedanken voll,
der Dauer und Bestand nicht hat!

Da kam in mir der Schrecken auf,
da war in mir ein Haaressträuben
bei ihm, mit Vielem ausgestattet,
bei Sāriputto, der erloschen.

Vergänglich, wahrlich, die Sankhāras,
Entstehn-Vergehen unterworfen,
entstanden, hören sie schon auf:
nur ihre Stille ist das Glück.

Das Feine wahrlich sie durchdringen,
gleichwie Haarspitze mit dem Pfeil,
die die fünf Gruppen wirklich sehen
als Anderes und nicht als Selbst.

Und die, die sehen die Sankhāras
als Anderes und nicht als Selbst,
durchdringen auch das Feine noch,
gleichwie Haarspitze mit dem Pfeil.

Gleichwie von einem Schwert berührt
an seiner glühend heißen Spitze:
um Sinnenlustreiz aufzugeben,
zieh’ achtsam man als Mönch hinaus.

Gleichwie von einem Schwert berührt
an seiner glühend heißen Spitze:
um Werdensreize aufzugeben,
zieh’ achtsam man als Mönch hinaus.

Ermahnt vom Selbstenfalteten,
von dem, der letzten Körper trägt,
ich den Palast der Mutter von Migāro
mit einer Fußzehe erschütterte.

Nicht ist für den, der nachgiebig,
nicht ist für den, der kaum beharrlich
Nibbānam wirklich zu erreichen,
das Aller-Fesseln-Ledig werden.

Und dieser junge Bhikkhu hier,
er ist ein wahrlich höchster Mensch:
trägt seinen letzten Körper ab,
hat schon besiegt das Māro-Lasttier.

In Bergesspalte schlagen Blitze,
in den Vebhāro und den Pandavo,—
in Bergesspalt gegangen sich vertieft
der Sohn des unvergleichlich Solchen.

Im Innern still, im Innern froh,
mit fernem Lager-Sitz, ein Muni,
ein Erbe er des Buddhabesten,
von Brahmā selber tief verehrt.

Den innen Stillen ,innen Frohen,
mit fernem Lager-Sitz, den Muni,
den Erben ihn des Buddhabesten,
verehr’, Brahman’, den Kassapo.

Wer hundertfach Geburt einginge,
Geburten alle als Brahmane,
zum Segen als ein Vedenkenner
unter den Menschen immer wieder,—

wenn einer hochgelehrt auch wäre
und der Drei Veden Jenseitsgänger:
dessen Verehrung ist nicht einmal
den kleinsten Teil von sechzehn wert.

Wer auf die acht Befreiungen
zur Morgenzeit sich schon gestützt,
nach vorne und nach rückwärts hin
und dann erst um Almosen geht:

So einen Bhikkhu nicht beleid’ge,
das Selbst nicht grab dir ab, Brahmane!
Bring tief in dir den Stolz zur Ruh
beim Araham von solcher Art!
Schnell mit dem Handgruß gib die Ehre!
Nicht bringe dich um deinen Kopf!

Wer nicht die wahre Lehre sieht,
vor den Geburtenkreis gestellt,
geht hin und her auf krummem Pfad,
dem Abweg rennt er immer nach.

Gleichwie ein Wurm, von Kot beschmiert,
von den Sankhāras angezogen:
versunken in Gewinn und Ehre,
vergeblich geht der Potthilo.

Und diesen siehe, der dort kommt,
den Sāriputto, gut zu sehen,
den, der befreit auf beiden Wegen,
in seinem Innern gut gesammelt.

Der frei vom Pfeil, der löste Fessel,
dreiwissensmächtig, Tod verlassend,
der Gaben würdig unter Menschen,
Verdienstfeld, nicht zu übertreffen.

Sieh diese vielen Götter hier,
die mächtigen, die ruhmvollen,
zehntausende von Göttern sind es,
und allen Brahmā geht voran,—
den Moggallāno ehren sie,
sie stehen mit dem Handgruß da.

„Verehrung dir, der Menschen Edler!
Verehrung dir, du höchster Mensch,
bei dem die Einflüsse erschöpft!
Der Gaben würdig bist du, Herr!“

Verehrt wird er von Mensch und Gott,
geboren als ein Todbesieger,—
wie weißer Lotus nicht am Wasser,
an den Sankhāras klebt er nicht.

Wer blitzesschnell die tausendfache Welt
erkannt, der ist dem Brahmā gleich,—
wer meistert die Magie, und Gehn und Kommen
auch bei der Gottheit immer sieht, ist Bhikkhu.

Wie Sāriputto wer mit Weisheit,
mit Tugend und mit inn’rem Frieden
zum andern Ufer ging als Mönch,
könnt’ so wie er ein Höchster sein.

Unendlich mehr als hunderttausend
an Selbsten könnte ich zugleich erschaffen,—
ich bin in Wundern sehr geschickt,
bin Meister in den höh’ren Kräften.

Als Sammlungs-Wissensmeister zur Vollendung kam
der Moggallāno in des Losgelösten Botschaft,—
als Weiser er zerriß, gesammelt in den Sinnen,
gleichwie der Elefant die faule Ranke, seine Bande.

Verehrt von mir der Meister ist,
getan des Buddho Weisung ist,
und abgelegt die schwere Last,
der ganze Werdensfluß entfernt.

Zu welchem Zweck ich zog hinaus,
vom Haus in die Hauslosigkeit,
der Zweck ist nun von mir erreicht:
all meiner Fesseln Untergang.

Von welcher Art war wohl die Hölle,
wo Dussi wurde heiß gequält,
als er den Jünger Vidhuro verletzt
und Kakusandho, den Brahmanen?

An hundert spitze Eisendornen,
die mußt’ er alle innen fühlen:
von solcher Art war wohl die Hölle,
wo Dussi wurde heiß gequält,
als er den Jünger Vidhuro verletzt
und Kakusandho, den Brahmanen.

Wer dieses wirklich tief versteht,
ein Bhikkhu, echter Buddhajünger:
verletzt du einen solchen Bhikkhu,
sinkst, Dunkler, du zum Leiden ab.

Mitten im Ozean sie stehen,
Vimānas, die Äonen dauern,—
wie Lapislazuli sie glänzen,
im Lichte glühend, blendend hell,—
himmlische Nymphen tanzen dort,
und alle in verschied’nen Farben.

Wer dieses wirklich tief versteht,
ein Bhikkhu, echter Buddhajünger:
verletzt du einen solchen Bhikkhu,
sinkst, Dunkler, du zum Leiden ab.

Vom Buddho wahrlich ernst ermahnt,
erwartet von der Bhikkhuschar,
er den Palast der Mutter von Migāro
mit einer Fußzehe erschütterte.

Wer dieses wirklich tief versteht,
ein Bhikkhu, echter Buddhajünger:
verletzt du einen solchen Bhikkhu,
sinkst, Dunkler, du zum Leiden ab.

Der den Palast der Vejayanter
mit einer Fußzehe erschütterte,—
von magisch höh’rer Kraft getragen,
die Gottheit in Verwirrung brachte.

Wer dieses wirklich tief versteht,
ein Bhikkhu, echter Buddhajünger:
verletzt du einen solchen Bhikkhu,
sinkst, Dunkler, du zum Leiden ab.

Der im Palast der Vejayanter
den Sakko rundum glücklich fragt:
„Verstehst du, Freund, denn wirklich auch
des Durstversiegens Freiheitsstufen?“
Und Sakko dann erklärte ihm
gefragte Frage, wie’s so ist.

Wer dieses wirklich tief versteht,
ein Bhikkhu, echter Buddhajünger:
verletzt du einen solchen Bhikkhu,
sinkst, Dunkler, du zum Leiden ab.

Der da den Brahmā gründlich fragt,
ganz nah an der Sudhamma-Halle:
„Hast du, Freund, heute noch die Ansicht,
die Ansicht, die du früher hattest?
Siehst du nicht, wie zu Ende geht
das Strahlen in der Brahmawelt?“

Und Brahmā dann erklärte ihm
gefragte Frage, wie’s so ist:
„Nicht hab ich, Herr, jetzt mehr die Ansicht,
die Ansicht, die ich früher hatte.

Ich sehe, wie zu Ende geht
das Strahlen in der Brahmawelt,—
wie könnte ich falsch sagen noch:
Bin immerwährend, ewig da!“

Wer dieses wirklich tief versteht,
ein Bhikkhu, echter Buddhajünger:
verletzt du einen solchen Bhikkhu,
sinkst, Dunkler, du zum Leiden ab.

Der da des großen Neru Spitze
in der Befreiung vor sich sah,
den Wald der östlichen Videher,
die Männer, auf dem Boden liegend:

Wer dieses wirklich tief versteht,
ein Bhikkhu, echter Buddhajünger:
verletzt du einen solchen Bhikkhu,
sinkst, Dunkler, du zum Leiden ab.

Nicht wahrlich je das Feuer denkt:
„Ich halte hier den Toren fest!“
Der Tor jedoch, das brennend Feuer
verletzend, wird von ihm verbrannt.

Und ebenso auch du, du Māra,
verletzend den Tathāgato,
wirst brennen dir das eigne Selbst,
gleichwie der Tor ans Feuer rührt.

Nein, kein Verdienst erzeugte Māro,
verletzend den Thatāgato,—
was denkst du nun wohl, Schlechter, du?
Nicht mich das Schlechte quält jetzt mehr.

Was du auch machst, dir stirbt das Schlechte
für lange Zeit, du Endiger!
Ach, Māra, lasse ab vom Buddho!
Trag’ kein Verlangen mehr nach Bhikkhus!

So er den Māro tief erschreckte,
der Bhikkhu in dem Walde Bhesakalā.
Und da der dumme Torengeist
grad auf der Stelle schon verschwand.