Sutta Nipāta 4.14
Schnell (Tuvataka-Sutta)
Den Sonnen-Sohn befrage ich, den großen Seher,
Um Abgeschiedenheit und um die Friedens-Stätte.
Wenn was erkannt wird, ist ein Mönch gestillt,
Nicht haftend mehr an irgend etwas in der Welt?
Die Wurzel dieser Vielheits-Welt in ihren Teilen,
Den Dünkel des ‚Ich bin‘, ihn soll der Weise ganz vernichten
Was an Begehrungen im Inneren haust,
Sie zu beseitigen übe er sich achtsam.Welch' Tugend man auch mag erkennen
Sei's bei sich selber, sei es außen auch,
Nicht soll man deshalb Stolz erzeugen,
Denn nicht wird ‚Stillung‘ dies genannt von Guten.Man möge nicht darum sich besser dünken,
Nicht unterlegen und auch nicht als gleich.
Obwohl mit vielen Tugenden versehen,
Nicht möge man sich selbst vergleichend unterscheiden.In sich nur möge Stillung man erzeugen.
Nicht soll der Mönch in irgend anderem Frieden suchen.
Wer so in sich die Stillung fand,
Kein Greifen kennt er und auch kein Verwerfen.Wie in des Meeres Mitte keine Welle sich erhebt,
In Stetigkeit und Stille sich das Meer befindet,
So sei man stetig, still, sei ohne Wunsches-Regung,
Aufwallung möge nicht der Mönch
Bei irgend etwas je in sich erzeugen.
Das hüllenfreie Auge hat gekündet
Die selbst-erschaute Lehre, meisternd alle Fährnis.
Vom Übungs-Pfade spreche nun, Verehrter,
Von Ordensregel und auch von der Sammlung!
Mit seinen Blicken schweife nicht umher der Mönch;
Vor niedrigem Gespräch verschließe er sein Ohr.
Auch den Geschmäcken giere er nicht nach
Und schätze in der Welt nichts als sein eigen.Wenn Krankheit an ihn rührt,
Soll keine Klage je dem Mönch entfahren.
Nach Dasein trag' er kein Gelüsten,
Nicht zittern soll er in Gefahr.Erhält er Nahrung und Getränk.
Kaubare Speise und Gewand,
So speichere er's nicht auf,
Erhält er diese nicht,
So bleib' er unbewegt.Der Schauung hingegeben, schweif' er nicht umher;
Von Unrast halte er sich fern und sei nicht lässig.
An lärm-entlegenen Stätten soll der Mönch verweilen.Nicht mög' er langem Schlafe sich ergeben,
Voll Eifer pflege er die Wachsamkeit.
Trägheit und Trug, das Lachen und das Spielen,
Geschlechtlichkeit samt ihrem Schmuck und Beiwerk,
Dies alles möge völlig er verlassen.Nicht Zauberwerk, nicht Traum- und Zeichenkunde,
Auch nicht das Deuten der Gestirne üb' er aus.
Mit Tierlaut-Deutung, Fruchtbarkeits-Bewirkung,
Mit Heilkunst soll sich nicht befassen, wer mir anhängt.Vor Tadel soll der Mönch nicht zittern,
Und wenn gelobt, nicht mög' ihn Stolz befallen.
Die Gier zusammen mit dem Neide,
Den Ärger, das Verleumden möge er verwinden.Mit Kauf und Verkauf geb' er sich nicht ab,
Nicht irgend Tadelnswertes soll der Mönch verüben.
Nicht mach' er heimisch sich im Dorfe,
Sprech' nicht zu Leuten mit der Absicht auf Gewinn.Kein Prahler sei der Mönch
Und spreche kein berechnend Wort.
Dreistes Betragen möge er nicht zeigen
Und streitendes Gespräch nicht führen.Zu Lügenworten sei er nicht verleitet
Und füge keinen Nachteil zu bewußt.
Nicht wegen Lebensführung oder Weisheit,
Und wegen Regeltreue oder auch Gelübden
Soll über andere sich der Mönch erheben.Hat von Asketen, die so wortereich,
Er reichlich Schimpfwort angehört,
Rauh möge er erwidern nicht:
Nicht stellen Edle sich zum Kampf.Hat diese Lehre er verstanden,
Tief sie erforschend, übe sich in ihr
Mit steter Achtsamkeit der Mönch.
Hat die Erlöschung als den Frieden er erkannt,
Nicht sei er lässig in der Satzung Gotamas!Bezwinger ist Er, selber unbezwungen,
Mit eigenen Augen sah Er jene Lehre,
Die nicht auf Überlieferungsglauben ist gegründet.
Daher, in dieses Hehren Satzung unermüdlich,
Stets möge man sich üben voller Ehrfurcht!