Theragāthā

Die Lieder der Mönche

Zehner-Bruchstück

10.6. Upaseno

Den abgeschied’nen, wenig lauten,
von wilden Tieren nur besuchten,
den Lagersitz der Mönch benutze,
zurückgezogen übe er.

Vom Abfallhaufen nahm er sich,
vom Friedhof und vom Wegesrand—
und machte draus die Robe sich:
die rauhe Robe trage er.

Bescheiden ganz den Geist gemacht,
mit gleichem Schritt von Stamm zu Stamm,
um Brockenspeise geh’ der Mönch,
ein Torbewachter, wohl gezügelt.

Mit Rauhem geh’ er sich zufrieden,
find’ nur Geschmack an stillem Platz,
dem, der nur nach Geschmäcken giert,
vertiefungsfroh ist nicht der Geist.

An Wünschen arm und stets zufrieden,
ganz abgeschieden leb’ der Muni,—
laß sich mit Haushaltern nicht ein
und mit Hauslosen gleichfalls nicht.

Wie dumm und auch wie stumm,
das Selbst er sollte sehen so,—
nicht allzu lang’ er sollte leuchten
in Sanghamitte, er, der Weise.

Nicht er beleid’ ge, wen auch immer,
Verletzung gebe er ganz auf,
gezügelt im System der Regeln,
kennt er das Maß auch recht beim Essen.

Leicht greift er auf das Sammlungszeichen,
erkennt, was in den Geist einströmt,
an Stille schließe er sich an,
im Zeitfluß an das weite Sehen.

Versehn mit Tatkraft und mit Ausdauer,
sei er ans Übungsjoch gebunden,
ist nicht das Leidensend’ erreicht,
mag zum Vertrauen gehn der Weise.

Dem so im Geiste Lebenden,
dem Mönch, der so das Reine liebt,
dem schwinden alle Einflüsse,
zum tiefen Frieden er gelangt.