Theragāthā
Die Lieder der Mönche
Zwölfer-Bruchstück
12.2. Sunīto (der Straßenfeger)
In niederm Stammgeboren bin,
ein Armer mit nur wenig Nahrung,—
geringes Werk, das war mein Teil:
war Blütenrestentferner nur.Verabscheut war ich von den Menschen,
geschmäht war ich und nur verachtet,—
hatt’ niedrig meinen Geist gemacht
und grüßte noch die vielen Leute.Dann sah ich ihn, den Vollerwachten,
vom Bhikkhu-Sangho tief verehrt,
wie er hineinging, großer Held,
nach Magadhā, der Menschen höchster.Ich legte ab den Korb und Besen,
ihn zu verehren ging zu ihm,—
und voll Erbarmen mit mir fühlend,
stand vor mir da der Menschen höchster.Als ich verehrt des Lehrers Füße,
zur Seite stellte ich mich dann,—
die Ordensweihe ich erbat
von aller Wesen Höchsten mir.Und da der mitleidvolle Lehrer,
der aller Welt Erbarmer ist:
„Komm, Bhikkhu!“ einfach zu mir sprach,—
das war schon meine Aufnahme.Alleine dann im tiefen Wald
ich lebte, war nicht träge dort,
erfüllte ganz des Lehrers Wort,
wie es gelehrt der Sieger mich.Des Nachts zur ersten Wachezeit
früh’rer Geburt gedachte ich,—
des Nachts zur mittler’n Wachezeit,
das Himmelsauge war geklärt,—
des Nachts, zur letzten Wachezeit
die Dunkelmasse ich vertrieb.Im Dämmerlichte dann der Nacht,
dem Sonnenaufgang schon entgegen,
der Indo und der Brahmā kamen,
verehrten mit dem Handgruß mich:„Verehrung Dir, Du Rassemensch!
Verehrung Dir, Du höchster Mensch!
Die Einflüsse hast Du erschöpft,
bist gabenwürdig, edler Herr!“Als mich der Lehrer so gesehn,
vom Göttersangho tief verehrt,
zog Lächeln über sein Gesicht,
und diesen Sinnspruch er da sagte:„Durch glühend ernstes Brahmaleben,
durch Zügelung und durch Bezähmung,
dadurch ist ein Brahmane man,—
dies Höchstes des Brahmanentums.“