Therīgāthā

Die Lieder der Nonnen

Fünfer-Bruchstück

5.3. SĪHĀ (die Löwin)

Nicht bis zum Grund hab ich gedacht,
war nur von Sinnenreiz geplagt,—
war früher voller Unruh’ nur,
im Herzen kraftlos übte ich.

War eingebunden nur in Flecken,
bedachte stets das Ziel des Glücks
und fand nicht Ebenmaß des Herzens,
das unterm Lustreiz-Einfluß stand.

Ganz hager, blaß und ohne Farbe
zog sieben Jahre ich umher,—
und nicht bei Tage, nicht bei Nacht
fand ich das Glück in meiner Qual.

So nahm ich dann das feste Seil,
ging in den tiefen Wald hinein:
das Beste, ich erhäng’ mich hier,
mag nicht zurück mehr in die Welt.

Schon war die Schlinge fest geknüpft,
gebunden an den Ast des Baums:
ich zog die Schlinge zu am Hals—
da wurde ich im Herzen frei.