Sutta Nipāta 1.1

Die Schlange (Uraga-Sutta)

Wer seinen Zorn, sobald er sich erhoben, bannt,
Wie durch Arznei ein weiterfressend Schlangengift,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

Wer restlos abgeschnitten hat die Lust,
Wie Blütenstengel man im Lotusteiche bricht,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

Wer restlos das Begehren abschnitt,
Austrocknend diesen reißend-schnellen Strom,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

Wer restlos seinen Dünkel hat zerstört,
Wie Wogenflut den schwachen Bambus-steg,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

Wer in den Daseinsformen Wesenskern nicht findet,
Wie einer, der auf Feigenbäumen Blüten sucht,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

In wessen Innerem Unmut keinen Raum hat,
Wer über Lebens Wechselfälle sich erhebt,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

Wer ausgebrannt die üblen Gedanken,
Sie innen restlos ausgerottet hat,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Wer diese ganze Weltausbreitung überwand,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Erkennend von der Welt: Unwirklich ist all dies!
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Wer gierfrei weiß: Unwirklich ist all dies!
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Wer lustfrei weiß: Unwirklich ist all dies!
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Wer haßfrei weiß: Unwirklich ist all dies!
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

Wer nicht zu weit ging, nicht zurückblieb,
Wer wahnfrei weiß: Unwirklich ist all dies!
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

In dem sich auch verborgene Neigung (anusaya) nicht mehr findet,
In dem des Unheilsamen Wurzeln sind getilgt,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

In dem es keine Ausgeburten der Beklemmung gibt,
Bedingungen für Wiederkunft im Diesseits.
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.

In dem es keine Ausgeburten der Verstrickung (vanathajā) gibt,
Die Ursach' sind für Bindung an das Dasein,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlang alte, abgenutzte Haut.

Wer Hemmung fünffach überwand und unverstört
Von Zweifel und von innerem Stachel frei,
Ein solcher Mönch gibt beide Seiten auf,
Wie eine Schlange alte, abgenutzte Haut.