Therīgāthā
Die Lieder der Nonnen
Zwanziger-Bruchstück
13.5. SUBHĀ (die Schöne, Glänzende, Strahlende)
Als junges Mädchen, rein gekleidet,
die Lehre hörte ich schon früher,—
und mir, die ich nicht lässig war,
Wahrheitsverständnis ging da auf.Da kam mir bei den Sinneslüsten
die Unlust wie vorm Schmuckstück an:
das Ichsein sah ich voller Furcht,
ersehnte nur Entsagung noch.Verwandtenschar hab ich verlassen,
die Sklaven und die Arbeiter,
die reichen Felder meines Dorfes,
die schönen, die ich so genossen,—
hinausgezogen gab ich auf
Besitz, der nicht gering zu schätzen.So zog ich aus Vertrauen fort,
war im Saddhammo gutbewandert,—
nicht passend wär es da für mich,
die sich nach gar nichts weiter sehnt
und alles Gold und alles Silber
gelassen hat, zurück zukehren.Das Silber nicht und nicht das Gold
führt zum Erwachen, führt zur Stille,—
nicht dieses ist Asketen eigen,
nicht dieses ist der Edlen Schatz.Schafft nur Verlangen und schafft Rausch,
Verblendung, läßt den Schmutz anwachsen,
führt nur zu Angst und vielen Sorgen,
nicht gibt es hierbei festen Stand.Erregt sind sie und werden lässig,
beschmutzen ihren Geist, die Menschen,
sind nur einander Hindernis,
und fallen einzeln in den Streit.Das Töten, Fessel und Bedrängnis,
das Klagen über Raub-Verlust:
bei den von Lüsten so Ergriff’nen
wird immer Unglück nur gesehn.Ihr seid, Verwandte, keine Freunde!
Was bindet ihr an Lüste mich!
Versteht, daß ich hinausgezogen,
bei Lüsten nur die Furcht noch sehe!Durch Gold nicht und auch nicht durch Geld
erschöpfen sich die Einflußmächte,—
nicht Freunde, Mörder sind die Lüste,
sind Feinde nur, sind Pfeil und Fessel.Ihr seid, Verwandte, keine Freunde!
Was bindet ihr an Lüste mich!
Versteht, daß ich hinausgezogen,
bin kahl, bedeckt mit einer Robe.Die Abfallbrocken samml’ ich ein
in meiner Müllplatzfetzenrobe:
ach, dieses nun paßt ganz zu mir,
für Hauslossein der feste Grund.Vom großen Weisen sind die Lüste ausgespien,
die himmlischen und auch die menschlichen,
im Friedensstand sind sie gelöst,
gemündet nun in stetes Glück.Ließ mich auf Sinnenlüste ein,
bei denen keinen Schutz es gibt:
nicht Freunde, Mörder sind die Lüste,
sind feuermassengleiches Leiden.Gefährlich ist das, voller Furcht,
bringt nur Verdruß, ist wie ein Dorn,
Begierde ist Zerrissensein,
ist tiefer Anlaß zur Verwirrung.Ein Angriff, schreckliche Erscheinung,
sind Lüste wie ein Schlangenkopf,
nur Toren finden Freude dran,
die blind geword’nen Massenmenschen.Sind Wesen tief im Sinnenschlamm,
unwissend Viele in der Welt,
das Ende sie erkennen nicht,
das Ende von Geburt und Tod.Den Weg, der abwärtsführt, sie gehn,
die Menschen, sinnenlustbedingt,
so Vielem, wahrlich, folgen sie,
was Krankheit ihrem Selbst nur bringt.So zeugen sie sich keine Freunde,
sie quälen sich im eignen Schmutz,
am Weltenköder festgebunden,
in Sinnenlüsten-Todesbanden.Berauschend sind sie und verlockend,
die Lüste sind nur Herz erdrückend:
nur um die Wesen zu beschmutzen,
stellt rasch der Māro seine Falle.Gefahren endlos sind die Lüste,
ein einzig Leiden, einzig Gift,
gering an Süße, Gram nur machend,
die helle Hälfte trocknend aus.Ich habe alles dies erfahren,
das Unglück, sinnenlustbedingt:
nicht werd ich dorthin wieder gehn,
bin am Nibbāna stets erfreut.Hab Lüsten nun den Kampf erklärt,
nur kühl zu werden, wünsche ich,
nicht lässig werd ich weiter bleiben,
bis ihre Fesseln sind gefallen.Den sorgen-, fleckenfreien, stillen,
achtgliedrigen, der grade ist:
den Weg ich gehe nun entlang,
den Weise überschritten haben.Seht nun die Lehre, ihren Sinn,
seht Subhā an, des Goldschmieds Tochter:
sie wurde ganz von Fehlern frei,
vertieft sich unter Baumeswurzel.Heut ist der achte Tag des Auszugs,
den Dhammo schmück ich mit Vertraun,—
gut zügelte Uppalavannā:
ich hab Dreiwissen, ließ den Tod.Befreite Sklavin bin ich, ohne Schuld,
bin Bhikkhunī mit Fähigkeiten:
von allen Jochen bin ich frei,
tat, was zu tun, bin einflußfrei.Und Sakko mit der Götterschar
kam da mit inn’rer Macht heran:
es ehrte da der Herr der Wesen
die Subhā, eines Goldschmieds Tochter.