Sutta Nipāta 4.9
Māgandiya (Māgandiya-Sutta)
Gesehen hab' ich Tanhā, Arati und Rāgā,
Doch nicht kam dabei Wunsch mir nach Begattung.
Wie sollt' ich da dies Harn- und Kot-Gefüllte
Auch mit dem Fuß nur zu berühren wünschen!
Wenn solches Kleinod du nicht wünschst,
Ein Weib, das viele Fürsten sich ersehnt,—
Was ist dann wohl dein Glaube, deine Regel, Lebensweise,
Und welche Daseinsform verkündest du (als Ziel)?
Wovon ich sagen könnte: ‚Dieses künd' ich‘,
Kein Dogma hab' ich, unter Lehren ausgesucht.
Erkennend, greif' ich nicht nach Ansicht.
Den Inneren Frieden sah ich, ihn ergründend.
Urteile des Denkens, die man sich ersinnt,
Die, sagst du, Muni, übernimmst du nicht.
Doch was als Heil du kündest, ‚Inneren Frieden‘,
Wie wird er wohl erklärt von Weisen?
Auf Grund von Ansicht nicht, von Wissen und Erkenntnis,
Nicht kann man wegen Regeln und Gelübden von der ‚Reinheit‘ sprechen.
Doch auch nicht ohne Ansicht, Wissen und Erkenntnis,
Nicht ohne Regeln und Gelübde, auch nicht ohne diese.
Abwerfend jene, nicht sich (an diese) klammernd,
Wird man, gestillt und stützenlos, kein Dasein mehr ersehnen.
Wenn nicht auf Grund von Ansicht, Wissen und Erkenntnis,
Nicht wegen Regeln und Gelübden man von ‚Reinheit‘ spricht,
Doch auch nicht ohne Ansicht, Wissen und Erkenntnis,
Nicht ohne Regeln und Gelübde, auch nicht ohne diese,—
Verworren scheint mir solche Lehre!
Durch Ansicht kommen manche ja zur Reinheit!
Gestützt auf Ansicht stellst du Frag' um Frage.
Durch deine Vorurteile kamst du in Verwirrung.
Nicht das Geringste kannst du davon fassen.
Verworren scheint dir darum diese Lehre.Daß gleich er, besser oder unterlegen,
Wer also denkt, der streitet eben deshalb.
Wer unberührt von diesen drei Begriffen,
‚Gleich‘ oder ‚besser‘ gibt es nicht für ihn.Wie sollt' solch wahrer Priester sagen: „Dies ist Wahrheit“?
Warum auch sollt' er streiten: „Falsch ist dieses“?
Für den es weder ‚gleich‘ noch ‚ungleich‘ gibt,
Warum sollt' er auf Streitgespräche eingehen?Das Haus verlassend, ohne Heimstatt wandernd,
Vertrauten Umgang pflegt der Muni nicht im Dorfe.
Leer von Begierden, Künftiges nicht ersehnend,
Nicht mag er mit der Menge führen Streitgespräch.Von denen abgelöst der Weise durch die Welt dahinzieht,
Nicht lerne er und lehr' er (solche Theorien).
Gleichwie die Lotusblüten, die im Wasser wachsen,
Vom Wasser und vom Schlamme bleiben unbefleckt,
So auch ein Muni, gierlos, Künder inneren Friedens,
Wird nicht befleckt von Sinnen-Wünschen in der Welt.Durch seine Ansicht nicht und nicht durch Meinung anderer
Kommt einen Weisen jemals Dünken an. Dies ist entgegen seiner Art.
Kein karmisch Wirken und kein Wissen kann ihn mehr verlocken,
Und von Gewöhnungen wird nicht mehr er gelenkt.Wer üblen Denkens sich entledigt, für den gibt's keine Fesseln.
Und wer befreit in Weisheit, für den gibt es kein Wähnen.
Die aber übles Denken und Ansicht in sich aufgenommen,
Im Streit zusammenstoßend gehen sie durch die Welt.